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Sparpolitik ohne Steuerungsidee ist keine Lösung

Wer nur kürzt, ohne zu verstehen warum die Kosten steigen, löst das Problem nicht — er verschiebt es. Ein Kommentar zur kommunalen Konsolidierungsdebatte.

Redaktion  ·  2026-06-06  ·  5 Minuten Lesezeit

Die Diskussion über kommunale Haushalte hat in den vergangenen Jahren eine auffällige Eigenschaft entwickelt: Sie dreht sich fast ausschließlich um die Höhe der Ausgaben — nicht um deren Steuerbarkeit.

Auf Bundesebene wird debattiert, wie viel Geld Bund und Länder den Kommunen überweisen. In den Rathäusern wird geprüft, welche freiwilligen Leistungen gestrichen werden können. In den Stadträten werden Haushaltsreden gehalten, die Solidarität beschwören und gleichzeitig Stellen streichen.

Was selten gefragt wird: Warum steigen bestimmte Ausgaben überhaupt?


Das Symptom und die Ursache

Nehmen wir die Hilfen zur Erziehung. Bundesweit sind die Kosten seit 2010 um über 60 % gestiegen. Fast jede Kämmerei kennt das Problem. Fast keine Kämmerei hat die Antwort auf die Frage: Warum eigentlich?

Die Antwort ist nicht monokausal. Gesellschaftliche Faktoren spielen eine Rolle — Familienstrukturen, Armutsquoten, Migration. Das ist real und nicht wegzudiskutieren.

Aber es gibt auch einen anderen Teil der Antwort: Ein System, das keine Anreize setzt, Fälle zu beenden.

Das ist keine Anklage gegen Träger oder Sozialarbeiter. Es ist eine strukturelle Beobachtung. Ein Tagessatzmodell, das Anwesenheit honoriert und nicht Wirksamkeit, erzeugt systematisch Verlängerungen. Nicht weil Menschen böswillig sind — sondern weil Systeme verhalten erzeugen.


Was echte Haushaltssteuerung bedeutet

Echte Steuerung bedeutet, die Frage zu beantworten: Bei welchem Ausgabenblock habe ich Hebel — und bei welchem nicht?

Manche Ausgaben sind tatsächlich alternativlos. Rechtsansprüche können nicht einfach abgebaut werden. Sozialtransfers reagieren auf gesellschaftliche Entwicklungen, nicht auf politische Entscheidungen.

Aber innerhalb dieser Rahmenbedingungen gibt es fast immer Spielraum. Die Qualität der Trägersteuerung. Die Effizienz der Fallsteuerung. Der Hebesatz bei der Gewerbesteuer. Der Kostendeckungsgrad bei Gebühren.

Diese Spielräume werden häufig nicht genutzt — nicht weil sie nicht existieren, sondern weil die notwendigen Informationen fehlen.


Das Informationsproblem

Eine Kämmerei, die den Haushalt konsolidieren will, braucht präzise Antworten auf Fragen wie:

Diese Fragen sind nicht akademisch. Sie sind die Grundlage jeder seriösen Haushaltsberatung. Und sie können in den meisten Kommunen heute nicht belastbar beantwortet werden — weil die Datenbasis fehlt.


Was der Unterschied ist

Eine Kommune, die kürzt, ohne zu verstehen warum etwas teuer ist, macht dasselbe wie ein Unternehmen, das Stellen abbaut, ohne zu verstehen, welche Prozesse ineffizient sind. Das spart kurzfristig. Es löst nichts.

Eine Kommune, die versteht, warum HzE-Kosten steigen, kann gezielt gegensteuern — durch bessere Trägersteuerung, durch outcome-basierte Vergütung, durch Frühwarnsysteme.

Das ist der Unterschied zwischen Sparpolitik und Haushaltsstabilisierung.


Der Kämmerer wird in den kommenden Ausgaben konkrete Steuerungsinstrumente vorstellen — für HzE, für Einnahmen und für Personalkosten. Gastbeiträge und Repliken sind willkommen: redaktion@derkaemmerer.de