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Gewerbesteuer-Benchmarks 2026: Wer liegt wo — und wer lässt Potential liegen?

Der Gewerbesteuerhebesatz ist der wichtigste kommunale Einnahmenhebel. Ein Vergleich zeigt: Viele Kommunen schöpfen ihn systematisch nicht aus.

Redaktion  ·  2026-06-03  ·  6 Minuten Lesezeit

Die wichtigste kommunale Steuer

Die Gewerbesteuer ist für die meisten deutschen Städte die bedeutendste eigene Einnahmequelle. Im Bundesdurchschnitt macht sie rund 40 % der kommunalen Steuereinnahmen aus — in wirtschaftsstarken Regionen noch mehr.

Der entscheidende Hebel: der Hebesatz. Er wird von der Gemeindevertretung jährlich festgelegt. Veränderungen um 10–20 Hebesatzpunkte können für eine mittelgroße Stadt Mehrerträge von mehreren Millionen Euro bedeuten.


Der aktuelle Vergleich (2025/2026)

StadtHebesatz 2025Ø-RegionAbweichung
Dortmund520 %480 %+40
Duisburg520 %480 %+40
Gelsenkirchen490 %480 %+10
Essen480 %480 %0
Bielefeld480 %480 %0
Münster450 %480 %-30
Düsseldorf440 %480 %-40
Köln475 %480 %-5
Hamburg470 %480 %-10
München490 %510 %-20

Quellen: Gemeindefinanzbericht 2025, Destatis, eigene Recherche. Ø-Region = Durchschnitt vergleichbarer Städte.


Was ein Hebesatzpunkt wert ist

Beispielrechnung: Düsseldorf

Gewerbesteueraufkommen 2024: ca. 740 Mio. €
Aktueller Hebesatz: 440 %
Regionaler Durchschnitt: 480 %

Differenz: 40 Hebesatzpunkte = ca. 67 Mio. € Mehrertrag pro Jahr
(bei gleichbleibendem Gewerbesteueraufkommen)

Das entspricht dem Jahresbudget mehrerer kommunaler Sozialdienste.


Warum Kommunen den Hebesatz niedrig halten

Das Argument ist bekannt: Ein höherer Hebesatz schadet der Ansiedlung von Unternehmen und vertreibt bestehende Betriebe. Die empirische Evidenz für diesen Effekt ist jedoch schwächer als häufig behauptet.

Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigen:

Differenzen innerhalb von Ballungsräumen

Innerhalb eines Ballungsraums (z.B. Rhein-Ruhr) ist die Wechselwirkung zwischen Nachbarkommunen stärker. Hier gilt: Unternehmen vergleichen aktiv. Eine Differenz von mehr als 60–80 Hebesatzpunkten zu unmittelbaren Nachbarn kann Verlagerungseffekte auslösen.


Was Kämmereien tun können

Schritt 1: Wettbewerbsanalyse erstellen
Welchen Hebesatz haben die relevanten Wettbewerber um Gewerbeansiedlungen? Nicht der bundesweite Durchschnitt ist die Referenz — sondern der regionale Wettbewerb.

Schritt 2: Aufkommenselastizität schätzen
Um wie viel würde das Aufkommen sinken, wenn der Hebesatz um X Punkte steigt? Die Steuerverwaltung kann das auf Basis der lokalen Unternehmensstruktur modellieren.

Schritt 3: Moderater Anpassungspfad
Statt einer einmaligen großen Erhöhung: schrittweise Annäherung an den regionalen Durchschnitt über 3–5 Jahre. Das gibt Unternehmen Planungssicherheit.

Schritt 4: Kommunizieren
Hebesatzerhöhungen, die mit konkreten Gegenleistungen verbunden werden (Infrastrukturinvestitionen, Verwaltungsdigitalisierung), stoßen auf deutlich weniger Widerstand.


Die unterschätzte Alternative: Gewerbesteuer auf Mindestbemessungsgrundlage

Neben dem Hebesatz gibt es einen oft übersehenen Hebel: Die Mindestbesteuerung für gewerbesteuerliche Verlustverrechnungen ist seit 2022 verschärft worden. Kommunen sollten prüfen, ob die lokale Steuerverwaltung diese Regelung vollständig ausschöpft — insbesondere bei verlustvortragsintensiven Unternehmen.

Diese Analyse basiert auf öffentlich verfügbaren Hebesatzdaten. Eine stadtspezifische Tiefenanalyse auf Basis des tatsächlichen Gewerbesteueraufkommens erfordert Zugang zu den lokalen Steuerdaten.