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Grundsicherung im Alter: Die stille Zeitbombe im kommunalen Sozialhaushalt

Altersarmut steigt. SGB-XII-Ausgaben wachsen jedes Jahr. Und anders als bei der HzE gibt es kaum Steuerungshebel. Was Kommunen dennoch tun können.

Redaktion  ·  2026-06-18  ·  6 Minuten Lesezeit

Die vergessene Zeitbombe

Während HzE-Kosten im politischen Fokus stehen, wächst still und stetig ein anderer Ausgabenblock: die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach SGB XII, 4. Kapitel.

Die Entwicklung:

Wachstumsrate: +59 % in 15 Jahren. Und die demografische Entwicklung garantiert, dass es weiter steigt.


Warum das politisch unbequem ist

Grundsicherung im Alter ist weniger sichtbar als Wohnungslosigkeit oder HzE. Die Empfänger sind keine Problemfälle — sie sind alte Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben und trotzdem nicht genug Rente bekommen.

Das macht es politisch schwer zu diskutieren. Und haushaltspolitisch trotzdem dringend.

Kommunaler Eigenanteil

Die Grundsicherung im Alter wird zu ca. 75–80 % vom Bund und Land finanziert. Der kommunale Eigenanteil von 20–25 % klingt gering — bei einer Großstadt mit 20.000 Empfängern und einem Durchschnittssatz von 850 €/Monat sind das aber trotzdem:

20.000 × 850 € × 12 Monate × 22 % = 44,9 Mio. € kommunaler Anteil pro Jahr


Was Kommunen (nicht) steuern können

Nicht steuerbar:

Eingeschränkt steuerbar:


Die unterschätzte Stellschraube: Prävention von Altersarmut

Kommunen können wenig an bestehenden Grundsicherungsansprüchen ändern — aber viel daran, wie viele Menschen in die Situation geraten.

Kommunale Altersarmut-Prävention:

Diese Maßnahmen wirken in 10–20 Jahren — nicht im nächsten Haushalt. Aber Kommunen, die sie nicht ergreifen, zahlen in 10–20 Jahren entsprechend mehr.


Doppelleistungen — das stille Effizienzproblem

Ein erheblicher Teil der SGB-XII-Ausgaben entsteht durch Prozessineffizienzen:

Systematische Fallprüfungen in diesen Bereichen können 3–8 % der Ausgaben reduzieren — ohne eine einzige Leistungskürzung.


Der politische Auftrag

Grundsicherung im Alter ist kein technisches Problem. Es ist das Ergebnis eines Rentensystems, das für zunehmend viele Menschen nicht ausreicht.

Kommunen können daran nichts Grundsätzliches ändern. Aber sie können:

Wer schweigt, zahlt.