Wenn eine Kassenleiterin oder ein Kassenleiter in den Ruhestand geht, steht die Stadtkasse vor einer der heikelsten Nachbesetzungen der Verwaltung. Zahlungsverkehr, Liquidität, Vollstreckung und Jahresabschluss hängen an wenigen Personen mit viel Erfahrung. Unsere Auswertung des Stellenmarkts zeigt: Viele Kommunen suchen gerade genau diese Leute – und planen dafür weniger Zeit ein, als der Arbeitsmarkt hergibt.
Die Lage: 298 offene Finanzstellen
Der Stellenmarkt von Der Kämmerer erfasst täglich die kommunalen Ausschreibungen aus Interamt und Karriere.NRW. Zum Stand 24. Oktober 2026 waren es 5.158 offene Stellen [1]. Davon entfallen 298 auf das Finanzwesen im engeren Sinn: Kämmerei, Kasse, Steuern, Controlling und Rechnungsprüfung.
Auffällig ist der Anteil der Führungsstellen:
| Bereich | Offene Stellen | davon mit Leitungsfunktion | Bewerbungsfrist (Median) | Frist unter 21 Tagen |
|---|---|---|---|---|
| Alle kommunalen Stellen | 5.158 | 16 % | 26 Tage | 25 % |
| Finanzwesen gesamt | 298 | 29 % | 24 Tage | 28 % |
| Kämmerei | 130 | 40 % | 25 Tage | 21 % |
| Kasse | 48 | 29 % | 23 Tage | 38 % |
| Steuern | 73 | 21 % | 23 Tage | 37 % |
Im Finanzwesen ist fast jede dritte Ausschreibung eine Leitungs- oder Stellvertreterstelle – fast doppelt so viele wie im Durchschnitt aller kommunalen Stellen. Bei den Kassen sind es 14 von 48 Ausschreibungen. Sie sind überwiegend zwischen EG 8 und EG 11 eingruppiert.
Kurze Fristen für Schlüsselstellen
Die Bewerbungsfrist ist der Zeitraum zwischen Veröffentlichung und Bewerbungsschluss. Für Kassenstellen liegt sie im Median bei 23 Tagen und damit unter dem Wert aller kommunalen Stellen von 26 Tagen. Mehr als jede dritte Kassenausschreibung läuft kürzer als drei Wochen.
Bei den Kassenleitungen reicht die Spanne von 10 bis 115 Tagen. Sechs der 14 Ausschreibungen geben Interessierten weniger als drei Wochen.
Drei Wochen sind für eine Führungsposition knapp bemessen. Wer heute eine Kasse leitet oder stellvertretend führt, ist im Tagesgeschäft fest eingebunden. Diese Menschen erfahren von einer Stelle meist über Kolleginnen, Netzwerke und Fachmedien – und das braucht Zeit.
Die eigentliche Hürde: die Kündigungsfrist
Noch wichtiger als die Bewerbungsfrist ist, was danach kommt. Wer im öffentlichen Dienst wechselt, hat nach § 34 Abs. 1 TVöD gestaffelte Kündigungsfristen. Sie richten sich nach der Beschäftigungszeit beim bisherigen Arbeitgeber [2][3]:
| Beschäftigungszeit | Kündigungsfrist |
|---|---|
| mehr als ein Jahr | 6 Wochen zum Quartalsende |
| mindestens 5 Jahre | 3 Monate zum Quartalsende |
| mindestens 8 Jahre | 4 Monate zum Quartalsende |
| mindestens 10 Jahre | 5 Monate zum Quartalsende |
| mindestens 12 Jahre | 6 Monate zum Quartalsende |
Genau die erfahrenen Kräfte, die für eine Kassenleitung in Frage kommen, haben oft zwölf Jahre und mehr bei ihrem Arbeitgeber. Ein Rechenbeispiel zeigt, was das bedeutet:
- Ausschreibung Mitte Oktober, Bewerbungsschluss Anfang November
- Vorstellungsgespräche Mitte November, Zusage Ende November
- Kündigung der neuen Kassenleitung im Dezember – bei sechs Monaten zum Quartalsende endet das alte Arbeitsverhältnis am 30. Juni
- Dienstbeginn in der neuen Kommune: 1. Juli
Geht die bisherige Leitung im Februar in den Ruhestand, bleibt die Stelle also rund vier Monate unbesetzt – und das im Zeitraum von Jahresabschluss und Haushaltsvollzug. Die Übergabe von Person zu Person entfällt. Bei Beamtinnen und Beamten kommt die Abstimmung des Wechselzeitpunkts mit dem bisherigen Dienstherrn hinzu.
Was Kämmereien daraus machen können
- Zwölf Monate Vorlauf einplanen. Der Ruhestandstermin ist meist lange bekannt. Wer die Ausschreibung zwölf Monate vorher startet, hat Zeit für Auswahl, Kündigungsfrist und Übergabe.
- Bewerbungsfrist von mindestens vier Wochen. Für Leitungsstellen im Finanzwesen erhöht eine längere Frist die Chance, wechselbereite Führungskräfte zu erreichen.
- Die Stellvertretung stärken. Eine eingearbeitete Stellvertretung überbrückt die Zeit bis zum Dienstbeginn der neuen Leitung und ist zugleich die naheliegende interne Bewerberin oder der naheliegende interne Bewerber.
- Die Ausschreibung bis zur Besetzung sichtbar halten. Endet die Frist ohne passende Bewerbung, lohnt eine Verlängerung statt einer neuen Ausschreibung. Die Stelle bleibt auffindbar, die bisherigen Bewerbungen bleiben im Verfahren.
- Die Nachfolge im Stellenplan mitdenken. Jede Nachbesetzung ist auch eine Gelegenheit zu prüfen, wie die Aufgabe künftig organisiert wird – etwa durch Digitalisierung im Zahlungsverkehr.
Fazit
Die Nachbesetzung einer Kassenleitung ist ein Projekt mit langem Vorlauf. Die Bewerbungsfrist von drei Wochen ist dabei der kleinste Teil – entscheidend sind die Kündigungsfristen erfahrener Kräfte und die Zeit für eine geordnete Übergabe. Kämmereien, die den Ruhestand ihrer Kassenleitung zwölf Monate im Voraus angehen, sichern die Zahlungsfähigkeit ihrer Kommune ohne Lücke.
Offene Stellen im kommunalen Finanzwesen finden Sie in der Stellenbörse von Der Kämmerer. Arbeitgeber können Ausschreibungen dort bis zur Besetzung veröffentlichen.
Quellen
- Stellenmarkt Der Kämmerer: kommunale Ausschreibungen aus Interamt (4.910) und Karriere.NRW (248), Stand 24.10.2026; Bewerbungsfrist = Tage zwischen Veröffentlichung und Bewerbungsschluss; Finanzwesen = Kämmerei, Kasse, Steuern, Controlling, Rechnungsprüfung (eigene Auswertung)
- Kündigungsfrist im TVöD – arbeitsvertrag.org – abgerufen 25.10.2026
- Lexikon: Kündigungsfrist – dbb beamtenbund und tarifunion – abgerufen 25.10.2026