Ein Rekordprogramm mit Schwerpunkt Schule
Offenburg im Ortenaukreis hat rund 63.400 Einwohner und das größte Investitionsprogramm seiner Geschichte. Der Gemeinderat hat im April den Doppelhaushalt 2026/2027 mit deutlicher Mehrheit verabschiedet [1]. Bis 2030 sind Investitionen von rund 337 Mio. € vorgesehen, davon rund 54 Mio. € im Jahr 2026 und 72 Mio. € im Jahr 2027 [1].
Der größte Posten ist der Schulbau: Rund 100 Mio. € fließen in sieben große Baumaßnahmen [1]. Das teuerste Einzelprojekt ist der Neubau der Erich-Kästner-Realschule in Zell-Weierbach. Dazu kommen Umbauten an zwei weiteren Schulen und Erweiterungen von fünf Grundschulen für den Ganztagsbetrieb [1]. In die Feuerwehr fließen in den kommenden fünf Jahren 15 Mio. €, in neue Dorfmittelpunkte und Vereinsräume rund 11 Mio. € [1].
Der Ergebnishaushalt ist nahezu ausgeglichen. Für 2026 steht ein ordentliches Ergebnis von −1,5 Mio. €, das aus angesparten Rücklagen gedeckt wird, für 2027 ein Plus von 2,1 Mio. € [1].
Die Einnahmebasis trägt
Offenburgs Spielraum beruht auf einer starken Gewerbesteuer. Im Dezember 2025 rechnete die Stadt für das laufende Jahr mit rund 94 Mio. €, zehn Mio. € mehr als ursprünglich angesetzt [2]. Im April 2026 meldete die Badische Zeitung, dass die Einnahme 2025 die Marke von 100 Mio. € überschritten hat [3]. Für 2026 und 2027 plant die Stadt mit rund 97 und 99 Mio. € [1].
Dazu trägt eine Entscheidung von Anfang 2024 bei: Der Hebesatz stieg von 380 auf 435 Punkte. Das bringt bis 2030 zusätzlich 64 Mio. € [2]. Parallel hat sich die Stadt ein Konsolidierungsziel von 13 Mio. € über fünf Jahre gesetzt, unter anderem, indem frei werdende Stellen nicht neu besetzt werden [2].
Der Ausgangspunkt ist solide. Die amtliche Statistik weist für Offenburg zum 31.12.2025 Schulden von 189 € je Einwohner und keine Kassenkredite aus [4]. Die Hebesätze liegen bei 420 Punkten in der Grundsteuer B und 435 Punkten in der Gewerbesteuer (Stand 2024) [4].
Finanzierungsmix und Zinsgrenze
Offenburg finanziert 57 % der Investitionen aus eigenen Mitteln und Zuschüssen, 43 % über Kredite: 33 Mio. € im Jahr 2026 und 37 Mio. € im Jahr 2027 [1]. Oberbürgermeister Marco Steffens verband das in seiner Haushaltsrede mit einer klaren Regel: Kredite gibt es nur für Projekte, die auch künftigen Generationen nutzen [1].
Bemerkenswert ist die Leitplanke dahinter. Ein städtisches Nachhaltigkeitskonzept erlaubt Zinslasten von bis zu 4,4 % der städtischen Einnahmen. Der Entwurf des Doppelhaushalts nutzte davon 3,9 % [2]. Die Zinsbelastung steigt planmäßig von rund 1 Mio. € im Vorjahr auf 1,5 Mio. € im Jahr 2026 und auf voraussichtlich 4,7 Mio. € bis 2030 [1]. Der Gemeinderat sieht damit vorab, wie weit die Verschuldung gehen darf.
Was andere Kommunen mitnehmen können
- Eine Zinsquote statt einer Schuldengrenze. Eine Obergrenze für Zinslasten im Verhältnis zu den Einnahmen bleibt auch bei wachsenden Einnahmen aussagekräftig und macht die Belastung des Ergebnishaushalts direkt sichtbar.
- Ein fester Finanzierungsmix. Die Aufteilung 57 zu 43 zeigt dem Rat auf einen Blick, welcher Teil des Programms aus eigener Kraft kommt.
- Einnahmen und Konsolidierung zusammen denken. Offenburg hat den Hebesatz angepasst und zugleich ein Sparziel beschlossen. Beides zusammen schafft Raum für ein großes Schulbauprogramm.
Wie Ihre Kommune bei Schulden und Kassenkrediten im Vergleich steht, zeigt unsere Analyse Wer kippt 2027?. Alle Werte für Offenburg stehen im Gemeindeprofil.
Quellen
- Doppelhaushalt beschlossen – Keine Abstriche im Sozialbereich – Stadt Offenburg – 23.04.2026
- Doppelhaushalt 2026/27: Investitionen in Bildung und Grenze des Machbaren – Stadt Offenburg – 11.12.2025
- Offenburger Gewerbesteuereinnahme knackt 2025 100-Millionen-Euro-Marke – Badische Zeitung – 01.04.2026
- Statistische Ämter des Bundes und der Länder – Regionaldatenbank (Schulden 31.12.2025, Realsteuer-Hebesätze 2024), Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0