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Das Briefing für kommunale Entscheider
7. November 2026
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Baupreise 2026: Straßenbau plus 6,9 Prozent – wie die Teuerung kommunale Investitionen aufzehrt

Straßenbau +6,9 %, Bürogebäude +5,7 %: Die Baupreise ziehen 2026 wieder an. Was das für Investitionsplan, Sondervermögen und Ausschreibungen der Kommunen heißt.

Redaktion  ·  2026-11-06  ·  6 Minuten Lesezeit

Zwei Jahre lang sah es so aus, als hätten sich die Baupreise beruhigt. Nach den Ausschlägen von 2022 lagen die Vorjahresraten für Neubauten 2024 und 2025 bei rund drei Prozent. Das ist vorbei. Im August 2026 waren konventionell gebaute Wohngebäude nach Angaben des Statistischen Bundesamts 5,5 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, Bürogebäude 5,7 Prozent – und der Straßenbau sogar 6,9 Prozent [1]. Im Mai hatte der Straßenbau noch bei plus 6,2 Prozent gelegen [2].

Für die Kommunen ist das keine Randnotiz aus der Bauwirtschaft. Straßen, Schulen, Feuerwehrhäuser und Verwaltungsgebäude machen den Großteil ihrer Investitionen aus. Jeder Prozentpunkt Baupreissteigerung verkleinert, was mit einem festen Investitionsbudget tatsächlich gebaut wird.


Was die Baupreisstatistik zeigt

Das Statistische Bundesamt misst die Baupreise vierteljährlich, jeweils im Februar, Mai, August und November. Die Indizes enthalten die Umsatzsteuer – für Kommunen, die in der Regel nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind, ist das die relevante Größe.

Die Zahlen für August 2026 im Überblick [1]:

Auffällig ist zweierlei. Erstens steigt die Instandhaltung stärker als der Neubau – genau der Bereich, den Kommunen bei knappen Kassen am ehesten aus dem laufenden Haushalt bezahlen. Zweitens liegt der Straßenbau an der Spitze, also der Bereich, in dem laut KfW-Kommunalpanel 23 Prozent des gesamten kommunalen Investitionsrückstands liegen [3].

Der längere Blick macht das Niveau deutlich: Der Preisindex für Bürogebäude stand im August 2026 bei 144,2 Punkten (2021 = 100), der für Wohngebäude bei 141,7 Punkten [4]. Ein Bürobau kostet damit gut 44 Prozent mehr als im Durchschnitt des Jahres 2021. Eine eigene Indexreihe für Schulen oder Verwaltungsbauten weist die Statistik nicht aus; der Bürogebäudeindex ist dafür die nächstliegende Näherung.


Nominal mehr Geld, real weniger Bau

Der wichtigste Effekt der Baupreise zeigt sich, wenn man sie neben die Investitionsstatistik legt.

Nach der Kassenstatistik des Statistischen Bundesamts gingen die Ausgaben der Gemeinden und Gemeindeverbände für Baumaßnahmen im ersten Halbjahr 2026 um 2,4 Prozent zurück, die Sachinvestitionen insgesamt um 4,5 Prozent [5]. Das ist bereits nominal ein Minus. Rechnet man die Baupreise heraus, wird der Rückgang deutlich größer.

Rechenbeispiel: reale Bauleistung (Stand November 2026)
  • Nominal: Baumaßnahmen 1. Halbjahr 2026: minus 2,4 Prozent [5]
  • Preisanstieg Hochbau: plus 5,5 Prozent (Wohngebäude, August 2026) [1]
  • Preisanstieg Straßenbau: plus 6,9 Prozent (August 2026) [1]
  • Grobe Schätzung real: zwischen rund minus 7,5 und minus 8,7 Prozent weniger Bauleistung als ein Jahr zuvor
  • Hinweis: Eigene Rechnung der Redaktion. Kassenzeitraum und Preisstichtag decken sich nicht genau, die Größenordnung ist belastbar, die Nachkommastelle nicht.

Die KfW kommt für das Gesamtjahr 2025 zu einem ähnlichen Befund. Die tatsächlich verausgabten Investitionen der Kommunen mit mehr als 2.000 Einwohnern lagen nach ihrer Hochrechnung bei 29,3 Milliarden Euro nach rund 30 Milliarden Euro im Vorjahr; angesichts der Baupreisentwicklung entspreche das einem realen Rückgang um 6 Prozent [3]. Über einen längeren Zeitraum ist der Effekt noch deutlicher: Der wahrgenommene Investitionsrückstand ist seit 2018 nominal um 67 Prozent gewachsen, real um 7 Prozent [6]. Ein großer Teil des Zuwachses ist also Preis, nicht zusätzlicher Verfall – aber der Preis muss trotzdem bezahlt werden.


Das Sondervermögen verliert an Kaufkraft

Für 2026 planen die Kommunen Investitionen von 50,3 Milliarden Euro, 14,8 Prozent mehr als im Vorjahr [3]. Die KfW führt den Sprung wesentlich auf die erwarteten Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität zurück. Sie schätzt grob, dass den Kommunen in den nächsten zwölf Jahren etwa 60 Milliarden Euro daraus zufließen [3]. Wie viel davon in den einzelnen Ländern ankommt, zeigt unsere Übersicht zum Sondervermögen Infrastruktur.

Ein fester Nominalbetrag über zwölf Jahre ist bei steigenden Baupreisen weniger wert, als er klingt. Ein vereinfachtes Rechenbeispiel der Redaktion: Fließen die 60 Milliarden Euro gleichmäßig mit 5 Milliarden Euro pro Jahr und steigen die Baupreise dauerhaft um 5 Prozent jährlich, entspricht die Summe in heutigen Preisen nur rund 46,5 Milliarden Euro. Die letzte Jahrestranche hätte dann noch eine Kaufkraft von etwa 2,9 Milliarden Euro. Die Annahmen sind bewusst einfach; die Botschaft ist es nicht: Wer früh baut, bekommt für dasselbe Geld mehr Infrastruktur.

Dazu kommt die bekannte Lücke zwischen Plan und Ist. Nach den Erfahrungswerten der KfW wird nur etwa zwei Drittel der geplanten Investitionssumme tatsächlich ausgegeben [6]. Jede Verschiebung in ein späteres Haushaltsjahr verteuert das Projekt bei Preissteigerungen von fünf bis sieben Prozent spürbar.


Wo der Preisdruck die Kämmerei konkret trifft

Kostenberechnungen veralten schneller. Eine Kostenschätzung aus der Leistungsphase 2, die zwei Jahre vor der Ausschreibung entstanden ist, liegt bei den aktuellen Raten schnell zehn Prozent oder mehr unter dem Angebotsniveau. Das zwingt zu überplanmäßigen Ausgaben, Nachtragshaushalten oder zum Abspecken des Projekts.

Instandhaltung im Ergebnishaushalt. Mit plus 6,0 Prozent bei der Instandhaltung [1] wächst ein Posten, der den Ergebnishaushalt direkt belastet. Wer die Ansätze nur fortschreibt, kürzt real – und verschiebt Unterhalt in den Investitionsrückstand. Bereits heute können laut KfW 30 Prozent der Kommunen den Unterhalt ihrer Straßen nicht oder nur eingeschränkt sichern, in Ostdeutschland 47 Prozent [6].

Fördermittel mit Festbetrag. Zuwendungen als Festbetrags- oder Anteilsfinanzierung mit gedeckelter Bemessungsgrundlage decken Preissteigerungen nach Bewilligung in der Regel nicht ab. Die Mehrkosten trägt der Eigenanteil. Warum ein Zuschuss den Haushalt am Ende mehr kosten kann als gedacht, beschreibt unser Beitrag zur Fördermittel-Falle.

Finanzierung. Ein höherer Eigenanteil heißt häufig: mehr Investitionskredit. Die Investitionskredite der Kommunen sind 2025 laut KfW um 15 Prozent auf 158 Milliarden Euro gewachsen [3]. Höhere Baupreise und steigende Zinsen verstärken sich gegenseitig – mehr dazu in unserer Analyse der Zinsausgaben der Kommunen.


Was Kämmereien jetzt tun können

  1. Kostenansätze indexieren. Investitionsansätze in der mittelfristigen Finanzplanung nicht nominal fortschreiben, sondern mit einer ausgewiesenen Preissteigerungsannahme versehen. Für Straßenbau liegt die aktuelle Jahresrate bei 6,9 Prozent [1]; der Ansatz sollte nachvollziehbar dokumentiert und jährlich überprüft werden.

  2. Instandhaltung real sichern. Instandhaltungsansätze mindestens um die Preisentwicklung anheben, bevor neue Investitionen begonnen werden. Laufender Unterhalt ist die günstigste Form, Rückstand gar nicht erst entstehen zu lassen.

  3. Sondervermögen früh binden. Projekte, die aus dem Sondervermögen finanziert werden sollen, priorisieren und ausschreibungsreif machen. Bei fünf bis sieben Prozent Preissteigerung zahlt sich jedes Jahr Vorlauf aus.

  4. Preisrisiken in Verträgen steuern. Bei langen Bauzeiten und preisvolatilen Gewerken prüfen, ob eine Stoffpreisgleitklausel sinnvoll ist. Sie verteilt das Materialpreisrisiko zwischen Auftraggeber und Bieter und kann Risikoaufschläge in den Angeboten verringern. Für kleinere Leistungen bieten die Wertgrenzen der Länder schnelle Verfahren – siehe unseren Beitrag zur Direktvergabe.

  5. Kostenberechnung vor Ausschreibung aktualisieren. Zwischen Kostenberechnung und Vergabe eine verpflichtende Aktualisierung auf den jüngsten Baupreisindex einbauen. So zeigt sich eine Lücke im Haushaltsverfahren und nicht erst bei der Submission.

  6. Standards und Bündelung prüfen. Wiederkehrende Bauaufgaben – Kita-Module, Feuerwehrgerätehäuser, Sanierungspakete im Straßenbau – standardisieren und mehrjährig oder interkommunal planen. Wiederverwendbare Planungen sparen Planungs- und Verfahrenskosten; die Losaufteilung nach Vergaberecht bleibt dabei zu beachten.

  7. Den Rat mit realen Zahlen informieren. Im Investitionsbericht neben den nominalen auch die preisbereinigten Werte zeigen. Dann wird sichtbar, ob ein steigender Investitionsansatz tatsächlich mehr Infrastruktur bedeutet.


Einordnung

Die Baupreise sind kein Grund, Investitionen aufzuschieben – eher das Gegenteil. Bei Jahresraten von fünf bis sieben Prozent wird jedes verschobene Projekt teurer, und jeder nominal fixierte Betrag verliert an Wirkung. Für die Kämmerei heißt das: Preissteigerung ist keine externe Größe, die man hinnimmt, sondern ein Planungsparameter. Wer ihn offen ausweist, plant ehrlicher, schützt den Unterhalt und holt aus dem Sondervermögen mehr Straße, mehr Schule und mehr Feuerwehrhaus heraus. Die nächsten Baupreisdaten für November 2026 veröffentlicht das Statistische Bundesamt Anfang 2027.


Quellen

  1. Baupreise für Wohngebäude im August 2026: +5,5 % gegenüber August 2025 – Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 360 – 9. Oktober 2026
  2. Baupreise für Wohngebäude im Mai 2026: +5,0 % gegenüber Mai 2025 – Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 241 – 10. Juli 2026
  3. KfW-Kommunalpanel 2026 – Kurzfassung: Kommunale Rekorddefizite und weiter wachsender Investitionsrückstand – KfW Research (Dr. Malte Borghorst-Dilangu, Dr. Stefanie Brilon) – Juni 2026
  4. Preisindizes für Bauwerke, Wohngebäude und Nichtwohngebäude – Statistisches Bundesamt, Konjunkturindikatoren – Stand 9. Oktober 2026
  5. Kommunales Finanzierungsdefizit im 1. Halbjahr 2026 erneut bei 20,1 Milliarden Euro – Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 349 – 1. Oktober 2026
  6. KfW-Kommunalpanel: Kommunen wollen in diesem Jahr deutlich mehr investieren – KfW Research, Pressemitteilung – 17. Juni 2026
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