Ein Bauprogramm mit klarem Schwerpunkt
Braunschweig hat rund 252.800 Einwohner und setzt im Hochbau 2026 einen eindeutigen Schwerpunkt: Bildung. In den Schulbau fließen in diesem Jahr rund 150 Mio. € [1]. Die Stadt verbindet damit drei Aufgaben, die viele Kommunen gleichzeitig treffen: wachsende Schülerzahlen, die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren (G9) und den Ausbau der Ganztagsbetreuung.
Die Liste der Vorhaben zeigt die Bandbreite [1][2]:
- Neubau der 6. IGS am Wendenring: gut 77 Mio. €, rund 8.500 Quadratmeter Nutzfläche, ausgelegt für rund 1.370 Schülerinnen und Schüler. Die Vierfach-Sporthalle ist seit September 2025 in Betrieb, der Schulbetrieb startet zum Schuljahr 2027/28.
- Grundschule Querum mit Dreifach-Sporthalle: ca. 47 Mio. €, vierzügig und im Ganztag, Fertigstellung der Schule zum Schuljahr 2028/29.
- Gymnasium Martino-Katharineum: ca. 43 Mio. € für Erweiterung und Sanierung bis 2029, mit Fassadenbegrünung und Zisternen nach dem Schwammstadtprinzip.
- Gymnasium Neue Oberschule: ca. 34 Mio. € für einen Neubau mit 24 Unterrichtsräumen.
- Gymnasium Ricarda-Huch-Schule: rund 30 Mio. €, Inbetriebnahme zum Schuljahr 2026/27.
- Dazu kommen das Lessinggymnasium (18,6 Mio. €), die Gaußschule (13,4 Mio. €), die Oswald-Berkhan-Schule (ca. 17,9 Mio. €), die BBS Johannes-Selenka-Schule (ca. 22 Mio. €) und eine Mensa an der Grundschule Schunteraue (6,7 Mio. €).
Bau und Betrieb aus einer Hand
Bemerkenswert ist die Beschaffungsform. Die neue IGS entsteht in einem partnerschaftlichen Modell: Der Partner errichtet Schule und Außenanlagen und verantwortet anschließend den technischen Betrieb des Gebäudes für die nächsten 20 Jahre [1]. Auch die Erweiterungen der Ricarda-Huch-Schule und der Neuen Oberschule laufen im Rahmen eines bestehenden Schul-PPP-Projekts, in dem der Partner neben dem Bau auch den Betrieb übernimmt [1].
Für eine Kämmerei verschiebt sich damit der Blick von den Baukosten auf die Lebenszykluskosten. Wer über 20 Jahre für den Betrieb einsteht, plant Technik, Materialien und Wartung von Anfang an mit. Die Stadt erhält planbare Betriebsaufwendungen über einen langen Zeitraum.
Die Ausgangslage dafür ist anspruchsvoll. Die amtliche Statistik weist für Braunschweig zum 31.12.2025 Schulden von 4.483 € und Kassenkredite von 264 € je Einwohner aus; die Hebesätze liegen bei 600 Punkten für die Grundsteuer B und 450 Punkten für die Gewerbesteuer (Stand 2024) [3]. Die Kassenkredite machen damit nur einen kleinen Teil der Gesamtschulden aus.
Was andere Kommunen mitnehmen können
- Schwerpunkt sichtbar machen. Braunschweig stellt sein Hochbauprogramm öffentlich als Bildungsprogramm vor, mit Projekt, Summe und Zeitplan je Schule. Das schafft Nachvollziehbarkeit für Rat und Bürgerschaft.
- Lebenszyklus statt Baupreis. Partnerschaftliche Modelle mit langfristiger Betriebsverantwortung sind eine Option, wenn eigene Bau- und Betriebskapazitäten knapp sind. Entscheidend ist ein sauberer Wirtschaftlichkeitsvergleich vor der Vergabe.
- Mehrfachnutzen einplanen. Klimaanpassung (Zisternen, Gründächer), Vereinsnutzung von Mensen und Aulen als Versammlungsstätte erhöhen den Nutzen derselben Investition.
Wie Ihre Kommune bei Schulden und Kassenkrediten im Vergleich steht, zeigt unsere Analyse Wer kippt 2027?. Alle Werte für Braunschweig stehen im Gemeindeprofil.
Quellen
- Hochbauprojekte 2026 – OB: „Wir investieren kraftvoll in unsere Bildungsinfrastruktur“ (Presseinformation 033/2026) – Stadt Braunschweig – 11.02.2026
- Braunschweig investiert Millionen in Schulbau – regionalHeute.de – 11.02.2026
- Statistische Ämter des Bundes und der Länder – Regionaldatenbank (Schulden 31.12.2025, Realsteuer-Hebesätze 2024), Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0