Ein Doppelhaushalt als Steuerungsinstrument
Die Stadt Kassel hat rund 197.000 Einwohner und hat für 2025 und 2026 erstmals seit 2004 wieder einen Doppelhaushalt aufgestellt [1]. Die Begründung der Stadt ist auch für andere Kämmereien interessant: Die Kommunalaufsicht kann beide Jahre bereits 2025 genehmigen. So ist der Etat 2026 vom ersten Tag an vollziehbar, obwohl im Frühjahr 2026 die Kommunalwahl stattfand [1]. Die Stadtverordnetenversammlung hat den Doppelhaushalt im Mai 2025 beschlossen. Nach Angaben der Stadt ist es der erste Nachhaltigkeitshaushalt einer hessischen Großstadt [2]. Das Regierungspräsidium hat ihn im Juli 2025 ohne Auflagen genehmigt [3].
Der Doppelhaushalt enthält mit insgesamt 412 Mio. € das größte Investitionsprogramm der Stadtgeschichte [2]. Das Geld fließt in Schulsanierungen, den Kita-Ausbau, den Städte- und Straßenbau, in Kultur und Sport sowie in Flächen für Gründungen und Gewerbe [2]. Allein für Sanierungen an Schulen sah bereits der Entwurf über 30 Mio. € vor [4]. Die Hebesätze für Grundsteuer und Gewerbesteuer bleiben unverändert. Stadtkämmerer Matthias Nölke begründet das mit der Rücklage, die die Steuerzahler erwirtschaftet haben und die nun die geplanten Defizite von 29,4 Mio. € (2025) und 32,0 Mio. € (2026) ausgleicht [2][4].
Der Vollzug zählt: 18,8 Mio. € aufgefangen
Den Jahresabschluss 2025 hat die Stadt im April 2026 vorgelegt. Die Gewerbesteuer blieb um rund 18,8 Mio. € hinter den Erwartungen zurück. Laut Stadt hat die Verwaltung diese Mindererträge durch konsequente Haushaltsbewirtschaftung vollständig ausgeglichen [5]. Das ordentliche Ergebnis 2025 liegt bei −43,7 Mio. € und damit über dem Planansatz von 29,4 Mio. €. Grund dafür sind höhere Pensionsrückstellungen: Statt der eingeplanten 25 Mio. € mussten 39,4 Mio. € gebucht werden [5]. Die Stadt bildet diese Veränderung bilanziell ab und folgt dabei den Vorgaben der Kommunalen Versorgungskasse [5].
Die Ausgangslage dafür war gut. Der Jahresabschluss 2024 schloss mit einem ordentlichen Überschuss von 5,2 Mio. € [2]. Die Rücklage aus Überschüssen des ordentlichen Ergebnisses betrug Ende 2024 rund 331,1 Mio. € [6]. Die amtliche Statistik weist für Kassel zum 31.12.2025 Schulden von 2.614 € je Einwohner und keine Kassenkredite aus. Die Hebesätze lagen 2024 bei 490 Punkten (Grundsteuer B) und 440 Punkten (Gewerbesteuer) [7].
Planen, wenn die Zahlen feststehen
Im Juni 2026 hat Stadtkämmerer Nölke entschieden, den nächsten Haushaltsentwurf erst Anfang 2027 einzubringen [8]. Die Schlüsselzuweisungen machen fast ein Drittel der ordentlichen Erträge aus. Belastbare Daten zur Reform des Kommunalen Finanzausgleichs erwartet die Stadt erst im Herbst 2026 [8]. Kassel plant also mit gesicherten Zahlen statt mit Annahmen.
Was andere Kommunen mitnehmen können
- Doppelhaushalt in Wahljahren. Wer das Wahljahr in einen bereits genehmigten Doppeletat legt, bleibt durchgehend handlungsfähig und kann Investitionen ohne Unterbrechung fortführen.
- Bewirtschaftung als Ausgleichsinstrument. Kassel zeigt, dass ein konsequenter Vollzug zweistellige Millionenbeträge auffangen kann. Voraussetzung sind klare Budgetverantwortung und eine laufende Ertragsbeobachtung.
- Rücklagen aus guten Jahren. Überschüsse früherer Jahre ermöglichen es, Investitionen fortzuführen und die Hebesätze stabil zu halten.
Wie Ihre Kommune bei Schulden und Kassenkrediten im Vergleich steht, zeigt unsere Analyse Wer kippt 2027?. Alle Werte für Kassel stehen im Gemeindeprofil.
Quellen
- Stadt plant Doppelhaushalt 2025/2026 – Stadt Kassel, Pressemitteilung – 04.12.2024
- Kasseler Stadtverordnete beschließen Etat 2025/2026 – Stadt Kassel, Pressemitteilung – 05.05.2025
- Doppelhaushalt 2025/2026 genehmigt in kommunaler Finanzkrise – Stadt Kassel, Pressemitteilung – 21.07.2025
- Doppelhaushalt: Stadt Kassel investiert auf Rekordniveau – Stadt Kassel, Pressemitteilung – 27.01.2025
- Hohe Pensionsrückstellungen belasten Jahresabschluss – Stadt Kassel, Pressemitteilung – 23.04.2026
- Jahresabschluss zum 31.12.2024, Anhang – Stadt Kassel, Ratsinformationssystem – 2025
- Statistische Ämter des Bundes und der Länder – Regionaldatenbank (Schulden 31.12.2025, Realsteuer-Hebesätze 2024), Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0
- „Kommunen am Limit“: Kassel berät Haushalt erst 2027 – Stadt Kassel, Pressemitteilung – 19.06.2026