Eine Gemeinde, die baut
Magstadt im Landkreis Böblingen hat rund 9.400 Einwohner und ein großes Bauprogramm. Für 2026 sind Investitionen von 14,8 Mio. € geplant: rund 8,7 Mio. € im Hochbau und knapp 6,1 Mio. € im Tiefbau [1]. Der größte Einzelposten ist die Erweiterung der Johannes-Kepler-Gemeinschaftsschule. Für den bereits begonnenen zweiten Bauabschnitt stehen 2026 weitere 5 Mio. € bereit [1]. Dazu kommt ein Umbau in der Ortsmitte: Ein Gebäude an der Alten Stuttgarter Straße soll eine Bücherei, eine Ladeneinheit und Wohnungen aufnehmen [1].
Viele Kommunen strecken 2026 ihre Vorhaben oder legen sie auf Eis. Magstadt setzt seine Projekte um – und hat dafür eine klare Finanzierung beschlossen.
Der Kredit: 3,9 Mio. € über 50 Jahre
Für den Haushalt 2026 braucht die Gemeinde Kredite von 3,9 Mio. € [2]. Der Gemeinderat hat im Mai einstimmig beschlossen, sie bei der Kreissparkasse Böblingen mit einer Laufzeit von 50 Jahren aufzunehmen [3]. Kämmerer Rouven Müller kündigte im Gemeinderat an, dass keine vorzeitigen Tilgungen vorgesehen sind [3].
Der Ausgangspunkt ist solide. Die amtliche Statistik weist für Magstadt zum 31.12.2025 keine Schulden und keine Kassenkredite je Einwohner aus [4]. Die Hebesätze liegen mit 290 Punkten bei der Grundsteuer B und 350 Punkten bei der Gewerbesteuer (Stand 2024) [4]. Die Gemeinde nimmt den Kredit also nicht auf, um laufende Ausgaben zu decken, sondern um Gebäude zu finanzieren, die über Jahrzehnte genutzt werden.
Warum die lange Laufzeit passt
Ein Schulgebäude wird 50 Jahre und länger genutzt. Wer es aus laufenden Mitteln oder mit einem kurzen Kredit bezahlt, lässt die heutigen Steuerzahler die gesamte Last tragen, obwohl auch die nächsten Jahrgänge davon profitieren. Ein Kredit, dessen Laufzeit der Nutzungsdauer entspricht, verteilt die Kosten auf alle, die das Gebäude nutzen. Die Haushaltswirtschaft nennt das Fristenkongruenz, politisch heißt es Generationengerechtigkeit.
Drei Punkte machen das Magstadter Vorgehen für andere Kämmereien interessant:
- Kredit für Investitionen, nicht für den laufenden Betrieb. Kassenkredite gab es Ende 2025 keine, aufgenommen wird ein Investitionskredit mit klarem Zweck.
- Laufzeit nach Nutzungsdauer. 50 Jahre für Bauten mit langer Nutzung halten die jährliche Belastung im Ergebnishaushalt niedrig und planbar.
- Einstimmiger Beschluss. Der Gemeinderat trägt die Finanzierung geschlossen mit. Das gibt der Verwaltung Rückhalt für die Umsetzung über mehrere Jahre.
Was andere Kommunen mitnehmen können
Wer 2027 Schulen, Kitas oder Feuerwehrhäuser bauen muss, steht vor derselben Frage wie Magstadt: Sofort bauen oder warten, bis die Rücklagen wieder reichen. Das Magstadter Beispiel zeigt einen dritten Weg. Eine Gemeinde mit gesunder Ausgangslage kann ihre Investitionen über lange Kredite finanzieren und damit Bauprojekte rechtzeitig umsetzen, ohne den laufenden Haushalt zu überlasten.
Wie Ihre Kommune bei Schulden und Kassenkrediten im Vergleich steht, zeigt unsere Analyse Wer kippt 2027?. Alle Werte für Magstadt stehen im Gemeindeprofil.
Quellen
- Magstadter Haushaltsplan: 14,8 Millionen Euro sollen 2026 verbaut werden – SZ/BZ – 24.10.2025
- Magstadt braucht für den Haushalt Kredite in Höhe von 3,9 Millionen Euro – SZ/BZ – 05.03.2026
- Einstimmig im Gemeinderat beschlossen: Magstadt macht Schulden für die nächsten 50 Jahre – SZ/BZ – 20.05.2026
- Statistische Ämter des Bundes und der Länder – Regionaldatenbank (Schulden 31.12.2025, Realsteuer-Hebesätze 2024), Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0