Vorsorge in den Überschussjahren
Bergisch Gladbach im Rheinisch-Bergischen Kreis hat rund 111.000 Einwohner. Bis 2024 hat die Stadt eine Ausgleichsrücklage von 156 Mio. € und eine allgemeine Rücklage von 197 Mio. € aufgebaut, zusammen 353 Mio. € [1]. Stadtkämmerer Thore Eggert führt das in seiner Haushaltsrede auf die positiven Jahresabschlüsse 2017 bis 2023 zurück. Die Gewerbesteuer wurde dabei seit 2011 nicht angehoben [1]. Dieses Polster trägt den Haushalt 2026. Der Rat hat ihn am 24. März 2026 beschlossen. Nach Angaben des Kämmerers bei der Einbringung ist er ohne pflichtiges Haushaltssicherungskonzept genehmigungsfähig [1][2]. Den Fehlbetrag von 50,9 Mio. € im Ergebnisplan deckt die Ausgleichsrücklage [2].
Rekordinvestitionen mit Schwerpunkt Schule
Die Haushaltssatzung 2026 sieht Auszahlungen für Investitionen von 160,2 Mio. € vor. Dazu kommen Verpflichtungsermächtigungen von 400,4 Mio. € für die Folgejahre [2]. Netto plant die Stadt rund 126 Mio. € ein, davon über 70 Mio. € für Schule und Sport. Fast 20 Mio. € gehen in Straßen und Verkehr, gut 20 Mio. € in sonstige Infrastruktur, darunter die Entwicklung des Zanders-Areals [1]. Bis 2021 durfte die Stadt Kredite für Investitionen nur begrenzt aufnehmen. Diesen Kreditdeckel hat die Kommunalaufsicht 2022 aufgehoben [3]. Damit lässt sich der Schulbau wieder über Investitionskredite finanzieren. Das ist nötig, denn nahezu jede der 34 Schulen der Stadt muss in den nächsten 25 Jahren saniert, erweitert oder neu gebaut werden [3]. Zusätzliche Mittel kommen aus dem „NRW-Plan für gute Infrastruktur“ mit 45 Mio. € über zwölf Jahre und aus der Altschuldenentlastung mit rund 25 Mio. € [1].
Freiwillig konsolidieren, bevor es Pflicht wird
Bergisch Gladbach hat 2023 ein freiwilliges Haushaltssicherungskonzept beschlossen, dazu eine Haushaltssanierungs- und Nachhaltigkeitssatzung [1]. Das Konsolidierungsvolumen beträgt 180 Mio. € für 2023 bis 2033. Hinzu kommen 34,4 Mio. € aus dem Haushaltsnachtrag bis 2035 und weitere 8,5 Mio. € aus Digitalisierung und Prozessoptimierung bis 2036 [1]. Höhere Hebesätze ab 2026 waren darin bereits als Konsolidierungsbeitrag vorgesehen [1]. Für 2026 hat der Rat 623 Punkte für Wohn- und 898 Punkte für Nichtwohngrundstücke sowie 485 Punkte bei der Gewerbesteuer festgesetzt [2]. Seit dem 13. Oktober 2026 gilt eine Haushaltssperre, weil das Ergebnis 2026 rund 12 Mio. € schlechter ausfällt als geplant. Ausgaben über 1.000 € werden einzeln freigegeben, gesetzliche Leistungen werden weiter erbracht [4].
Die amtliche Statistik weist für Bergisch Gladbach zum 31.12.2025 Schulden von 4.071 € je Einwohner aus, davon 1.682 € Kassenkredite. Die Hebesätze lagen 2024 bei 731 Punkten (Grundsteuer B) und 460 Punkten (Gewerbesteuer) [5].
Was andere Kommunen mitnehmen können
- Überschüsse als Rücklage sichern. Die Rücklage aus den Jahren 2017 bis 2023 verschafft der Stadt Zeit. Sie kann investieren, während sie ihren Haushalt neu ordnet.
- Freiwilliges HSK als Fahrplan. Ein selbst gesetzter Konsolidierungspfad gibt Rat und Verwaltung Planungssicherheit. Höhere Hebesätze kommen darin angekündigt und nachvollziehbar.
- Investitionen priorisieren. Mehr als die Hälfte der Nettoinvestitionen geht in Schule und Sport. Ein klarer Schwerpunkt erleichtert die Steuerung, wenn Mittel und Baukapazitäten begrenzt sind.
Wie Ihre Kommune bei Schulden und Kassenkrediten im Vergleich steht, zeigt unsere Analyse Wer kippt 2027?. Alle Werte für Bergisch Gladbach stehen im Gemeindeprofil.
Quellen
- Haushaltsrede für den Haushalt 2026, Stadtkämmerer Thore Eggert – Stadt Bergisch Gladbach – 16.12.2025
- Amtsblatt Nr. 24/2026: Haushaltssatzung 2026 – Stadt Bergisch Gladbach – 13.08.2026
- Schulbau, kurz & knapp: IGP, OHG und andere Monsterprojekte – Bürgerportal Bergisch Gladbach – 07.05.2025
- Stadt Bergisch Gladbach verhängt Haushaltssperre – Bürgerportal Bergisch Gladbach – 13.10.2026
- Statistische Ämter des Bundes und der Länder – Regionaldatenbank (Schulden 31.12.2025, Realsteuer-Hebesätze 2024), Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0