Ein Haushalt ohne Sicherungskonzept
Hürth im Rhein-Erft-Kreis hat rund 61.700 Einwohner und einen Haushalt mit klarer Richtung. Der Stadtrat hat am 10. Februar 2026 den Haushalt 2026 und die Finanzplanung bis 2029 beschlossen [1]. Das Gesamtvolumen beträgt 246 Mio. €, größter Ertragsposten ist die Gewerbesteuer mit 65 Mio. € [1]. Das geplante Defizit von 16,5 Mio. € deckt die Stadt vollständig über die Ausgleichsrücklage, die Steuersätze bleiben konstant [1]. Ein Haushaltssicherungskonzept muss Hürth deshalb nicht aufstellen [3]. Der amtliche Haushaltsstatus zum 31.12.2025 führt die Stadt entsprechend als fiktiv ausgeglichen [7].
Stadtkämmerer Marco Dederichs hat bei der Einbringung den Kurs beschrieben: „Die Gestaltungsfähigkeit hängt davon ab, dass wir jetzt gemeinsam Prioritäten setzen, sorgfältig wirtschaften und konsequent zwischen notwendigen und nicht zwingenden Ausgaben unterscheiden.“ [2]
Die amtliche Statistik weist für Hürth zum 31.12.2025 Schulden von 2.097 € je Einwohner und keine Kassenkredite aus [6]. Der Gewerbesteuer-Hebesatz liegt unverändert bei 480 Punkten, die Grundsteuer B hat die Stadt nach der Grundsteuerreform aufkommensneutral auf 446 Punkte gesetzt [3].
Schulen stehen vorn
Für 2026 sieht der Finanzplan Auszahlungen aus Investitionstätigkeit von rund 51,4 Mio. € vor, darunter 26,6 Mio. € für städtische Baumaßnahmen [3]. Investitionszuweisungen des Landes von 9,19 Mio. € fließen mit ein [3]. Der Vorbericht hält fest, dass der Haushalt zahlreiche Investitionen in die städtischen Schulgebäude enthält [3].
Das größte Vorhaben ist der Anbau der Martinusschule in Fischenich. Bis 2029 sind dafür zusammen rund 26,4 Mio. € veranschlagt, davon 17,1 Mio. € im Jahr 2027 [3]. Die Stadt hat das Projekt europaweit ausgeschrieben: Ein dreigeschossiger Neubau soll die nötige Unterrichtskapazität als Lernclusterkonzept schaffen, verbunden mit einer Mensa, die auch als Veranstaltungsstätte dient [4]. Die Bestandsgebäude werden barrierefrei modernisiert, die Außenanlagen erhalten umfangreiche Retentionsmaßnahmen und einen zeitgemäßen Schulhof [4]. Ein Generalunternehmer soll das Gebäude nach jetzigem Planungsstand im Februar 2029 schlüsselfertig übergeben [4]. Für die Erweiterung des Albert-Schweitzer-Gymnasiums samt neuer Dreifach-Sporthalle plant der Haushalt bis 2029 weitere rund 32,8 Mio. € [3].
Andere Vorhaben sind schon fertig. An der Friedrich-Ebert-Realschule in Hermülheim nutzt die Schule seit dem 3. September 2026 die sanierten Gebäudeteile und den neuen Bauteil F [5]. Als Nächstes werden die Außenanlagen hergerichtet, an den Fenstern lässt die Stadt den Generalunternehmer nachbessern [5].
Energie vom eigenen Dach
Parallel baut Hürth die Solarstromerzeugung auf städtischen Gebäuden aus. In diesem Jahr gingen vier neue Photovoltaikanlagen mit zusammen rund 195 kWp in Betrieb, darunter auf dem neuen Bauteil der Realschule sowie auf der Carl-Orff-Schule, der Wendelinusschule und der Clementinenschule [8]. Die Leistung auf städtischen Gebäuden wächst damit auf rund 700 kWp; an der Hauptfeuerwache entsteht bereits eine weitere Anlage mit rund 192 kWp [8]. Im Haushalt 2026 stehen zudem Mittel für Energiespar-Contracting, ein PV-Hybridmodell und die energetische Sanierung der Turnhalle der Martinusschule [3].
Was andere Kommunen mitnehmen können
- Große Schulprojekte über die Finanzplanung strecken. Hürth weist den Anbau der Martinusschule Jahr für Jahr bis 2029 aus. Rat und Öffentlichkeit sehen so früh, wann die großen Raten fällig werden.
- Schulbau und Energie zusammen planen. Der neue Bauteil der Realschule trägt von Beginn an eine Photovoltaikanlage. So decken die städtischen Gebäude ihren Strombedarf Schritt für Schritt aus erneuerbarer Energie vom eigenen Dach.
- Prioritäten offen benennen. Die Unterscheidung zwischen notwendigen und nicht zwingenden Ausgaben gibt dem Rat einen klaren Maßstab für die Beratungen der kommenden Jahre.
Wie Ihre Kommune bei Schulden und Kassenkrediten im Vergleich steht, zeigt unsere Analyse Wer kippt 2027?. Alle Werte für Hürth stehen im Gemeindeprofil.
Quellen
- Haushalt 2026 beschlossen – Stadt Hürth, Pressemitteilung – 13.02.2026
- Stadt Hürth legt Haushaltsentwurf für 2026 vor – Stadt Hürth, Pressemitteilung – 01.12.2025
- Haushaltsplan 2026 – Stadt Hürth – Haushaltssatzung beschlossen am 10.02.2026, Vorbericht
- Umbau und Erweiterung Martinusschule (Generalunternehmer) – Stadt Hürth, Bekanntmachung im EU-Amtsblatt (TED 333451-2026) – 15.05.2026
- Neue Heimat für die Friedrich-Ebert-Realschule – Stadt Hürth, Pressemitteilung – 09.10.2026
- Statistische Ämter des Bundes und der Länder – Regionaldatenbank (Schulden 31.12.2025, Realsteuer-Hebesätze 2024), Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0
- MHKBD NRW / Open.NRW, Haushaltsstatus 31.12.2025, Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0
- Stadt Hürth baut Photovoltaik weiter aus – Stadt Hürth, Pressemitteilung – 14.10.2026
Hürth im Vergleich: Hebesätze, Schulden und Haushaltslage im Gemeindeprofil Hürth →