Eine Stadt, die aus Erspartem baut
Simbach am Inn im Landkreis Rottal-Inn hat rund 10.300 Einwohner und für 2026 ein klares Finanzierungsprinzip: Investiert wird aus der eigenen Rücklage. Der Haushalt 2026 schließt im Verwaltungshaushalt mit 30,6 Mio. € und im Vermögenshaushalt mit 13,6 Mio. € [1]. Für Investitionsmaßnahmen sind 12,8 Mio. € veranschlagt [1]. Neue Kreditermächtigungen braucht die Stadt dafür keine; die Haushaltssatzung hält fest, dass über die fortgeltenden Ermächtigungen hinaus keine neuen erforderlich sind [1]. Das Landratsamt Rottal-Inn hat die Satzung genehmigt, die Stadt hat sie am 27.04.2026 bekannt gemacht [2].
Möglich macht das ein starkes Jahr 2025. Die Gewerbesteuer brachte nach dem Vorbericht rund 9,97 Mio. € [1]. Für 2025 rechnet die Kämmerei mit einem Überschuss von ca. 8,6 Mio. €, der der allgemeinen Rücklage zufließt [1]. 2026 entnimmt die Stadt 11,1 Mio. € aus dieser Rücklage für den Vermögenshaushalt [1].
Der Schwerpunkt: die Grundschule
Der größte Einzelposten ist die Erweiterung der Josef-Karl-Nerud-Grundschule. Für Hochbaumaßnahmen stehen dort 2026 rund 5,9 Mio. € bereit, für 2027 hat der Stadtrat eine Verpflichtungsermächtigung über 4,0 Mio. € beschlossen [1]. In der Finanzplanung sind dafür Investitionszuweisungen des Landes eingeplant, 431.700 € im Jahr 2027 und 5,9 Mio. € im Jahr 2028 [1]. Die Stadt finanziert den Bau also aus eigenen Mitteln vor und erwartet die Förderung in den Folgejahren.
Ein zweites Großvorhaben ist der Glasfaserausbau „Gigabit 2.0“. Entsprechend den Auflagen des Förderbescheids sind dafür Verpflichtungsermächtigungen über 5,7 Mio. € für die Jahre 2027 bis 2029 festgesetzt [1]. Insgesamt summieren sich die Verpflichtungsermächtigungen auf 11,0 Mio. € [1].
Schulden sinken weiter
Parallel baut Simbach Schulden ab. Zu Beginn des Jahres 2025 lag die Gesamtverschuldung bei 6 Mio. €, nach ordentlichen und außerordentlichen Tilgungen bei 4,3 Mio. € zu Beginn des Jahres 2026 [1]. Mit der Tilgung von 785.400 € im laufenden Jahr sinkt sie bis Ende 2026 auf 3,5 Mio. € [1]. Die amtliche Statistik bestätigt den Stand: Zum 31.12.2025 weist sie für Simbach 417 € Schulden je Einwohner und keine Kassenkredite aus [3]. Die Hebesätze lagen 2024 bei 350 Punkten für die Grundsteuer B und 350 Punkten für die Gewerbesteuer [3]. Nach der Grundsteuerreform setzt der Haushalt 2026 die Grundsteuer B auf 210 Punkte fest, die Gewerbesteuer bleibt bei 350 Punkten [1].
Die Kämmerei plant offen: Die allgemeine Rücklage liegt Ende 2026 voraussichtlich bei 3,3 Mio. € und soll bis 2027 planmäßig auf 900.000 € abgeschmolzen werden; ab 2028 erreicht der Verwaltungshaushalt nach heutigem Stand wieder die Pflichtzuführung [1].
Was andere Kommunen mitnehmen können
- Gute Jahre in die Rücklage, nicht in den laufenden Betrieb. Der Überschuss 2025 wird zum Eigenkapital für die Schule 2026.
- Vorfinanzieren, wenn die Förderung später kommt. Wer Rücklagen hat, kann bauen, bevor die Landesmittel fließen, und spart Zinsen für Zwischenfinanzierungen.
- Tilgen und investieren zugleich. Die Stadt senkt ihre Verschuldung binnen zwei Jahren von 6 Mio. € auf 3,5 Mio. € und baut trotzdem.
- Transparenter Vorbericht. Rücklagenpfad, Pflichtzuführung und Förderzeitpunkte stehen nachvollziehbar im Haushaltsplan – eine gute Grundlage für Stadtrat und Rechtsaufsicht.
Wie Ihre Kommune bei Schulden und Kassenkrediten im Vergleich steht, zeigt unsere Analyse Wer kippt 2027?. Alle Werte für Simbach am Inn stehen im Gemeindeprofil.
Quellen
- Haushaltssatzung mit Haushaltsplan für das Jahr 2026, Stadt Simbach a. Inn (inkl. Vorbericht und Investitionsprogramm) – Stadt Simbach a. Inn – 2026
- Amtliche Bekanntmachung der Haushaltssatzung der Stadt Simbach a. Inn für das Haushaltsjahr 2026 – Stadt Simbach a. Inn – 27.04.2026
- Statistische Ämter des Bundes und der Länder – Regionaldatenbank (Schulden 31.12.2025, Realsteuer-Hebesätze 2024), Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0